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Die Stiftshütte und ihre Geräte – Heft 1; 2. Predigt

Gehalten den 18. Januar 1857 vormittags von H. F. Kohlbrügge

Die Bretter der Wohnung

Was wir aus dem 48. Psalm gesungen haben, scheint dem Sichtbaren nach nicht wahr zu sein; dennoch soll es gesungen werden von der Gemeine Gottes, auf daß das Sichtbare von dem Unsichtbaren verschlungen werde. So ist und bleibt das Gesungene wahr für den Glauben, wahr für die Erfahrung. Was dem Sichtbaren nach, was in den Augen der Menschen hoch und groß ist, ist nicht hoch und groß vor Gott, sondern ist ihm ein Greuel, insofern es seiner Ordnung widersteht! Was klein ist und niedrig vor Gott, eben das ist schön vor ihm; was zu Boden liegt, das steht in den Augen Gottes aufrecht.

Alle sichtbare Kraft scheint dem Fleische mächtig und gewaltig zu sein, die unsichtbare Kraft aber hat in den Augen der Welt keine Bedeutung; und dennoch ist gerade sie die Kraft, die allein feststeht im Dienste Gottes, und von Teufel, Tod und Hölle unbesiegt bleibt. Darum soll der Psalm wohl bleiben, und es soll bezeugt werden von der Gemeine: „Groß ist der Herr und hochgerühmt in der Stadt unseres Gottes, auf seinem heiligen Berge“, wegen der gewaltigen Kraft, die er erweist in seiner Gemeine, und von der die Gemeine zeugt, wenn sie spricht: „In dem Herrn habe ich Gerechtigkeiten und Stärke“, oder „Kraft“.

Ist es eine wichtige Frage, wo wir Gerechtigkeit herbekommen, so ist es eine nicht minder wichtige Frage, worin die Kraft liegt, um den Sieg zu erringen; eine Kraft, worin wir stark sind im Stille-Sein und Hoffen, wie der Herr durch den Propheten Jesaja zu seinem Volke spricht: „Wenn ihr stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stille-Sein und Hoffen würdet ihr stark sein“. Jes. 30,15.

Wir erwogen in der vorigen Predigt bei der Betrachtung der Teppiche, wie des Herrn Volk in Ihm Gerechtigkeit hat. Dagegen wollen wir jetzt von der Kraft, welche dieses Volk in Ihm hat, das eine und andere mitteilen nach Anleitung von:

"Du sollst auch Bretter machen zu der Wohnung von Förenholz, die stehen sollen. Zehn Ellen lang soll ein Brett sein und anderthalb Ellen breit. Zwei Zapfen soll ein Brett haben, daß eins an das andere möge gesetzt werden. Also sollst du alle Bretter der Wohnung machen. Zwanzig sollen ihrer stehen gegen den Mittag." (2. Mose 26,15-18)

So lesen wir also: „Du sollst auch Bretter machen zu der Wohnung von Förenholz, die stehen sollen“.

Wenn der Heilige Geist einen Menschen beschreibt, so tut er es also, daß er sagt, er bestehe aus Fleisch und Bein. Darum sprach Adam, als er zum ersten Male Eva sah: „Das ist doch Fleisch von meinem Fleisch, und Bein von meinem Bein“. Und unser Herr sprach nach seiner Auferstehung zu den erschrockenen Jüngern, die da meinten, er sei ein Gespenst: „Sehet meine Hände und meine Füße, ich bin es selber; fühlet mich und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe“. Lk. 24,39.

Und es bezeugt Paulus von der Gemeine im Epheserbriefe: „Wir sind Fleisch von seinem Fleisch, und Bein von seinem Bein“. Was hält das Fleisch aufrecht, was hält es zusammen, was erhält es in der Form, worin Gott es geschaffen? Das tun die Gebeine. Das Gebein ist die Kraft, welche das Fleisch aufrecht hält. In ihm ist auch das Mark.

Meine Geliebten! Was hält die Teppiche und die Decken der Stiftshütte aufrecht, daß sie eine Wohnung bilden? Wodurch werden sie auseinander gehalten, so daß man darunter einhergehen kann? Wodurch wird das Ganze getragen? Das tun die Bretter. Wohlan, beschauen wir in diesen Brettern das Bild geistlicher Kraft, welche Christus hat für seinen Leib, das ist, für die Gemeine.

Das hebräische Wort für „Brett“ kommt nur hier vor, sonst wird für „Brett“ ein anderer Ausdruck gebraucht. Es bedeutet etwas Rasiertes, das mit einem Messer rasiert oder allmählich abgekratzt wurde, bis es vollkommen glatt geworden ist. Die Bretter der Wohnung waren von „Förenholz“, d. i. von Akazienholz oder Sittimholz. Es ist dies ein leicht tragbares Holz, das sehr hart, unverweslich, von schönem Glanze und lieblichem Geruche war.

Die Bretter sollen „stehen“; sie sollen nicht liegen, sondern stehen bleiben, damit sie die Decken und Teppiche tragen. Was bedeuten nun diese Bretter? Fragen wir erst: Kannst du nach Geist das Gesetz Gottes vollkommen halten und erfüllen? Nein! antwortest du verlegen und mit zerschlagenem Gemüt. Wohlan, das tut Christus, und der Gläubige tut es in seinem Geiste. Das bedeuten die ersten Teppiche.

Kannst du deinen schönen Namen vor der Welt drangeben, deinen Ruhm von Frömmigkeit fahren lassen, und dich als Sünder schelten und als Übeltäter und Gottloser von Gott, von allen Menschen und Teufeln verdammen lassen, und Gottes Gericht, das über dich ergeht, gerecht heißen? Nein! antwortest du abermals. Wohlan, Christus hat es getan, und so ist es abgeschattet in den elf Teppichen von Ziegenhaaren; und nur in Christo fragt der Gläubige nicht nach dem Geschrei der Welt, sondern gibt sich ihrer Schmähung preis und seufzt zu Gott: Sei du mir nur nicht schrecklich!

Kannst du die Schuld, die auf dir liegt, bezahlen? Nein! Wohlan, Christus hat es getan; und der Gläubige ist in ihm gerecht; so ist es abgeschattet durch die Decke von Widderfellen. Wirst du auferstehen und auffahren gen Himmel? Das hat Christus getan, und in ihm ist die Auferstehung und das ewige Leben; so ist es abgebildet in der obersten himmelblauen Decke.

Aber wenn du nun alles hast, was zu deiner Seligkeit dient, kannst du dann aus dir selbst darin beharren, darin stehenbleiben? Ach, der Mensch kann es aus sich selbst nicht, er kann nicht bezahlen, er kann sich selbst auch nicht hüten vor neuem Schulden-Machen, vielmehr machen wir auch die Schuld noch täglich größer! Und einen Engel können wir als Mittler nicht brauchen.

Was für einen Mittler haben wir denn nun? Einen solchen, der, wie unser Katechismus sagt, zugleich wahrhaftiger Mensch und wahrhaftiger Gott ist, einen Mittler, der dasteht in der Kraft des unendlichen Lebens, der die ewige Gültigkeit der gebrachten Genugtuung und erworbenen Gerechtigkeit und das Recht des ewigen Erbes für sein Volk aufrecht hält, und der Urheber ist der Beharrung und des Stehenbleibens seines Volkes in ihm. So haben wir Christum in diesen Brettern in einem Bilde. In diesem Bilde sehen wir, was er tat als Mensch und als Gott, nicht allein zu unserer Erlösung, sondern auch zu unserer ewigen Beharrung in seiner Gnade.

Die Bretter waren rasiert, abgekratzt. Das ist auch an Christo geschehen; gleich wie auch bei den Opfertieren mit einem Messer die Haut abgezogen ward. Die Haut aber ist das Empfindlichste am Leibe. Es wird damit angedeutet das unsägliche Leiden unseres teuren Heilandes, das er für sein Volk gelitten hat, und wodurch er zu einer starken Säule ward, um den ganzen Willen Gottes zu tun; wie der Apostel Paulus schreibt: Er hat Gehorsam gelernt an dem, was er gelitten.

Dieses Förenholz war unverweslich. Unverweslich war Christus nach seiner göttlichen Natur, er konnte nicht sterben; nach seiner menschlichen Natur ebenfalls, da heißt es: „Du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen, und nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe“. Das Holz war leicht zu tragen, und so läßt unser Mittler sich leicht sein, wenn seine Priester ihn hintragen sollen, wo der Vater ihn hinhaben will. Es war von schöner, weißer Farbe. So war Er schön. „Mein Freund ist rot und weiß“, spricht die Braut im Hohenliede. Das Holz war wohlriechend; und: „Dein Name ist eine ausgeschüttete Salbe“ spricht abermals die Braut.

Das Holz hat Dornen getragen; auch er trug die Dornenkrone, wie es von ihm heißt: „Schauet an, ihr Töchter Zions, den König Salomo, in der Krone, damit ihn seine Mutter gekrönet hat am Tage seiner Hochzeit“. Hld. 3,11. Die Bretter sollten stehen. So stand er fest; er ist nicht gefallen wie Adam und wie wir in Adam, sondern er steht und bleibt stehen in der unendlichen Kraft seines Mittlerdienstes und seiner Gottheit, aufrecht zu halten alles, was er für seine Gemeine dargestellt und erworben hat.

Was muß Moses auf dem Berge empfunden haben, da ihm die Engel diese Bretter in einem Bilde zeigten! Und was müssen die gläubigen Israeliten empfunden haben bei der Betrachtung dieser Bretter, wenn sie durch den Geist in ihrem Elende die Deutung davon erhielten! Gehen wir nun über zu V. 16. Wir finden hier die Länge und die Breite der Bretter: „Zehn Ellen lang soll ein Brett sein und anderthalb Ellen breit“.

Die Länge ist das Bild der Langmut und der unbegreiflichen Geduld Christi; die Breite ist das Bild seines weiten Herzens. Welche Geduld hat er als Mensch an unserer statt, als Bürge für sein Volk, den Seinen bewiesen; ja welche Langmut und Geduld strahlt ohn’ Ermüden von ihm ab! Ob man ihn auch einen Samariter schalt, ob man ihn auch ins Geschrei bringen wollte, als wäre er aus unehelicher Geburt und Unzucht hervorgegangen, ob man auch schmähend ihn einen Teufel nannte, ihm ins Angesicht spie und schlug, ob sie mit Geißeln seinen Rücken zerfleischten, und die Menschen alles Mögliche in ihrer Wut und in ihrem Grimm an ihm verübten – : er hat Geduld und Langmut nie verloren.

Nie lesen wir, daß er zur Erde gesprochen: „Tue deinen Mund auf und verschlinge sie“; sondern in Langmut hat er alle getragen und gesprochen: „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er die Welt verderbe, sondern daß er die Welt selig mache“. O, das ist eine wunderbare Länge, diese Länge seiner Langmut. Wie langmütig ist er hier nach seiner göttlichen Natur; denn gegen wen haben sie eigentlich das Maul aufgetan? wen geschlagen? wem ins Angesicht gespieen? zu wem gesprochen: „Weissage uns, wenn du der Christus bist“? War er denn nicht zugleich der hohe Gott, den alle Himmel nicht zu fassen vermögen?

Schauet die Länge und messet, ob sie nicht völlig dem Maße und der Forderung des Gesetzes entspricht! Zehn Ellen nach dem Maß der heiligen zehn Gebote Gottes. Also nach oben, nach Gott hin, steht der Herr gerade und aufrecht und bleibt stehen in solcher Länge; und der Gläubige, indem er ihn betrachtet, sieht an ihm die heiligen zehn Worte. Er hat sie in Langmut und Geduld allein gehalten und nicht danach gefragt, was Fleisch wider ihn getan, sondern allein danach getrachtet, daß Gott gerechtfertigt werde auf Erden und sein Name verherrlicht.

Aber nicht wie die Länge, so auch die Breite. Diese betrug anderthalb Ellen. Das ist ein gebrochenes Maß. Er hat nach der menschlichen Natur ein weites Herz; aber als vollkommener Mensch, als Hoherpriester, will er den Brüdern in allen Dingen gleich sein, ihre Schwachheit mittragen und also nur ein gebrochenes Maß haben. Darum sagt der Apostel Paulus: „Wie die Kinder des Fleisches und Blutes teilhaftig sind, hat er es gleichermaßen mitgehabt und ist in allen Stücken versucht worden gleich wie wir“.

Aber auch nach seiner göttlichen Natur hat die Breite seines Herzens ein gebrochenes Maß. Denn wir sehen in ihm die wundervollste Herablassung. Hat er je auf Erden sich gezeigt vollkommen als Gott, in dem Glanz und in der Herrlichkeit, die er bei dem Vater hatte? Er hat sie verborgen; das wird bezeichnet durch das gebrochene Maß. Er verherrlichte seine göttliche Natur gerade am meisten, da er litt und starb, da er im Staube winselte, da er unter Zittern und Zagen im Gebete mit dem Tode rang, und ein Engel ihn stärkte. Er verherrlichte seine göttliche Natur am meisten, da er drei Stunden lang in kalter Finsternis am Kreuze hängen blieb und schrie: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Das tat alles sein weites Herz, seine weite Liebe, und gerade deshalb ist das Maß ein gebrochenes, weil er die Gnade also verherrlichen und nicht der Welt Schrecken erregen wollte. Betrachten wir nunmehr, was wir V. 17 lesen: „Zween Zapfen“, heißt es hier, „soll ein Brett haben, daß eins an das andere möge gesetzt werden. Also sollst du alle Bretter der Wohnung machen“.

Kein Brett steht einzeln, sondern es wird je ein Brett und wieder ein Brett zusammengefügt. Da bedeutet das eine Brett die menschliche Natur Christi, und das andere seine göttliche Natur. Die Breite jedes Brettes hat ein gebrochenes Maß von anderthalb Ellen. Demnach ist die menschliche Natur Christi eine wahre, vollkommene, aber doch in Schwachheit. Seine göttliche Natur ist ebenfalls ganz und vollkommen, aber ihre Herrlichkeit und Majestät ist verborgen.

Beide Bretter zusammen machen zweimal anderthalb Ellen, das ist drei Ellen aus. Die Weite des Herzens unseres Herrn und Heilandes in Vereinigung der göttlichen Natur mit der menschlichen Natur beträgt drei Ellen. Dreifach wird in dieser bildlichen Zahl verherrlicht die Gnade der Erwählung und der neuen Geburt, die Gnade der Erlösung und der Rechtfertigung, die Gnade der Heiligung und der Bewährung oder Verherrlichung. So breit und weit ist das Herz unseres Heilandes nach seinen beiden Naturen, daß Vater, Sohn und Heiliger Geist sich in solch mächtiger Liebe verherrlichen.

Aber die menschliche Natur und die göttliche Natur, wie kommen diese zusammen? Sie sind ja ewig geschieden? Kann die göttliche Natur die menschliche Natur in sich aufnehmen, sich mit ihr zusammenfügen, eng sich an sie anschließen, mit ihr sich verbinden und verbunden bleiben? Nein, nimmermehr! und doch: Ja! In dem Menschen zwar wohnt die Weisheit nicht, so etwas zu ersinnen, aber in Gottes Herzen ist ewige Liebe und Barmherzigkeit. Er wollte den Menschen, der von ihm abgefallen war, wieder haben, er wollte menschliche und göttliche Natur vereinigen in Einheit der Person, und diese Vereinigung hat er zustande gebracht.

Wie hat er das getan? Der Gläubige hat ein Bild davon, indem er sieht das eine Brett von zehn Ellen Länge und anderthalb Ellen Breite, und an diesem Brett oben und unten Einschnitte von ungefähr einer Ellen Länge, und schaut nun, wie das andere Brett, das gleicherweise gestaltet ist, durch Zapfen, welche in diese Einschnitte gesteckt wurden, mit dem ersten Brett vereinigt wird, so daß sie fest zusammengefügt dastanden, Brett an Brett.

Diese Zapfen, nach dem Hebräischen: Hände, bedeuten den ewigen Geist, der von oben und unten die zwei Naturen verbunden hat zu einer Person, daß sie Eins seien. Hingegen bedeuten die Einschnitte die herzliche Sanftmut und Demut des Menschen Jesu Christi. So griff das eine Brett in das andere. Was bringt denn überhaupt Gott und Menschen zusammen, die ewiglich sollten geschieden sein? Ja, füge ich noch hinzu, was hält beide zusammen, so daß sie Eins sind? Das tut der Heilige Geist.

Darum spricht David: „Nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir, und dein freimütiger Geist enthalte mich“. Es ist also der Heilige Geist; er hält Gott und den Menschen mit Gnade und Wahrheit zusammen, so daß Eins ist, was sonst geschieden war auf ewig. V. 18 lesen wir: „Zwanzig sollen ihrer stehen gegen den Mittag“. Allemal war an das eine Brett ein anderes, ein Zwillingsbrett, gefügt; das gibt zweimal zehn Bretter, oder zwanzig Bretter, oder zehn Bretterpaare. Denn dies ist einmal das Maß an dieser Wohnung der Gnade, welches Gott für die Gläubigen anlegt, das Maß, das ewiglich bleibt, das wir sehen sollen zu unserm Troste, das Maß des heiligen Gesetzes.

Ist dieses Maß nicht gegen Christum, so ist Christus dem Gesetz entsprechend. Ist dieses Maß nicht gegen den Gläubigen, der in Christo ist, so ist der Gläubige dem Gesetz entsprechend. Die heiligen zehn Gebote verfolgen den Menschen das ganze Leben hindurch, und er mag zusehen, wo er die Erfüllung derselben herbekommt. Der Apostel Jakobus spricht: „Wer ein Gebot übertritt, hat sie alle übertreten“. Ist das wahr, so ist auch das Umgekehrte wahr: „Wer ein Gebot in Geist und Wahrheit hält, der hat sie alle gehalten“. Darum soll es stehen bleiben, und von allen Gläubigen gelten, was von David, dem Knechte des Herrn, bezeugt wird, daß er in allen Geboten Gottes untadelig gewandelt hat.

So betrachte nun das erste Zwillingsbrett; da hast du Christum, wahrhaftigen Gott und wahrhaftigen Menschen; schaue ihn an und schreibe darauf das erste Gebot, und du hast in ihm alle zehn erfüllt. Nimm das zweite Bretterpaar, schreibe darauf das zweite Gebot, und auch dieses ist in ihm nach Geist erfüllt, und du hast in ihm die Erfüllung aller. So fahre fort und tue dasselbe der Reihe nach mit allen Geboten, bis du zum zehnten Bretterpaare kommst, und schreibe darauf: „Laß dich nicht gelüsten“. Siehe, Christus hat sich nicht gelüsten lassen, er hat den Willen seines Vaters getan, und du hast die Erfüllung des zehnten Gebotes und in ihm die Erfüllung aller.

Gehe nun noch einmal den einzelnen Geboten nach und schaue, ob nicht der Mensch Jesus Christus alle zehn der Reihe nach durchgemacht hat, ob nicht der Mensch Jesus Christus, wahrhaftiger Gott, sich hat niederbeugen wollen, um mit menschlicher und göttlicher Natur sich zu tun unter Gesetz (Gal. 4,4), – und du hast in der Zahl zwanzig die Doppelkraft, die doppelte Erfüllung der zehn Gebote, nach Buchstaben sowohl als nach Geist; das Zwiefache der Erfüllung, wie sie gilt hienieden und vor dem Stuhle Gottes.

Zwanzig Bretter stehen da, fest und stark, in Jünglingskraft und Manneskraft. Mit zwanzig Jahren wurde ein Israelit kriegsfähig, mußte mit dem Heere ausziehen wider die Feinde seines Volkes; mit zwanzig Jahren mußte er zum Heiligtum beisteuern und den Sekel bezahlen. So stand der Herr da in Jünglingskraft und Manneskraft, um für uns den Streit zu führen wider Teufel, Tod und Welt, um für uns die Schuld zu bezahlen, die wir nicht bezahlen konnten, den Sekel des Heiligtums, der da ist zwanzig Gera.

Diese zwanzig Bretter stehen gegen Mittag; nach dem Hebräischen: hart gegen Mittag, südwärts gegen Süden; nicht etwa halb gegen Morgen oder Abend, sondern gerade aus gegen Süden. Was ist dieser Mittag? Laßt uns sehen, was etwa die Propheten von ihm sagen. Sach. 9,14 heißt es: „Und der Herr wird über ihnen erscheinen, und seine Pfeile werden ausfahren wie der Blitz; und der Herr Herr wird die Posaune blasen und wird einhertreten als die Wetter von Mittag“. Der Herr wird erscheinen über dem Volk, die seine Gebote übertreten und nicht in seinen Wegen wandeln. Er wird seine Blitze und seine Donner senden vom Berg Sinai, wie ein Wetter von Mittag, daß er strafe und verdamme in seinem Zorn“.

Hab. 4,3: „Gott kam vom Mittag, und der Heilige vom Gebirge Paran, Sela. Seines Lobes war der Himmel voll, und seiner Ehre war die Erde voll“. Gott, der Heilige, kam vom Gebirge Sinai; Lob und Preis war im Himmel unter den Engeln, als Gott dem Moses die Wunder seiner Gnade zeigte im Bilde der Stiftshütte, das Volk aber schrie: „Wir können nicht mit Gott reden“. V. 4: „Sein Glanz war wie Licht; Glänze gingen von seinen Händen, daselbst war heimlich seine Macht“.

Der Glanz seiner Herrlichkeit und Gnade, der in Donner und Blitz gesehen wurde, war nicht ein Licht, wie wir es sehen, sondern noch viel herrlicher und glänzender; da Moses ihn sah und die Wundenmale, die ihm geschlagen waren, nämlich die Einschnitte in den Brettern, durch welche die Zapfen zusammengehalten wurden, da glänzte auch Mosis Angesicht wunderbar. V. 5: „Vor ihm her ging Pestilenz, und Plage ging aus, wo er hintrat“. Wenn nun aber Gott von Paran kommt und der Heilige vom Mittag, dann erhebt sich ein heißer Südwind, wovon alles Fleisch ersticken muß.

Man kann wohl ruhig auf den Hefen sitzen bleiben, man kann sich selbst in der Welt was weismachen von Gnade und Evangelium, man kann allerlei Dinge schwatzen von Gottes Barmherzigkeit und von der Gnade des Herrn Jesu, und dennoch stecken bleiben in den Sünden, und tot, ohne Leben, unbekehrt bleiben, indem man die Zucht des Geistes nicht will. Gott nimmt es ernst und genau; das Gewissen läßt sich zwar vom Menschen beschwichtigen, da er im Grunde des Herzens nicht glaubt, daß es einen Gott, daß es einen Himmel und eine Hölle gebe; aber wenn Gott kommt vom Mittag und der Heilige vom Gebirge Paran, da verzehrt er alle seine Widersacher, stürzt alles nieder, was sich ihm entgegensetzt, da ist er eine Plage und Pestilenz allen seinen Feinden, und es geht furchtbar und schrecklich her.

Wenn Gott kommt vom Mittag und der Heilige vom Gebirge Paran, da erhebt sich ein erstickender Südwind, vor welchem nichts kann stehen bleiben, sondern niedergeschmettert wird alles durch den Fluch, der aus seinem Munde geht; das ist das Wort vom Sinai: „Verflucht ist ein jeder, der nicht bleibt in allen Worten dieses Gesetzes, daß er es tue“.

Wenn aber der Fluch einem Menschen ins Herz schlägt, so daß er zitternd und zagend dasteht, sich schuldig bekennen muß vor Gott, und er dessen Zorn fühlt in Mark und Gebein, wo dann hin? Ach, das leichtsinnige Volk unserer Tage weiß nichts mehr von Gottes Zorn, von seinem Ernst und seinem Gericht! Aber noch hält Gott die Könige und Fürsten in seiner Hand und regiert, wie Er will.

Gott hat seinen Pfeil auf den Bogen gelegt, zu töten einen jeden, der sich wider ihn auflehnt. So kommt Gott vom Mittag in seinem schrecklichen Zorn. Ach, dieser furchtbare Mittag; von da fährt einher ewige Verdammnis, da ist nichts als Verbrennen und Umkommen! Wohl dem Menschen, dem Gott gnädig ist, daß er als ein Sünder in sich schlägt, daß er seine Verlorenheit und sein Verderben fühlt und sich verloren achtet; o, der wird diesen Mittag kennen, denn er ist dem Ersticken nahe bei der Gewalt und Glut dieses Südwindes.

Wie soll er aber herauskommen aus dieser Gefahr und Not? Was schützt vor diesem verbrennenden Mittag, vor diesem Gluthauch des Zornes Gottes? Das tun eben diese zehn Bretterpaare, Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, der da doppelt erfüllt hat die heiligen zehn Gebote Gottes; er steht fest und unerschütterlich, und die Menschen, die nach Gnade fragen, finden hinter ihm ihren Schutz. Amen!

(Quelle: licht-und-recht.de)


"Johannes legte Zeugnis ab von ihm, rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir gewesen, denn er war eher als ich. Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat Aufschluss [über ihn] gegeben." (Joh. 1,15-18)